Ein fast zu spannender Rückflug

Am Morgen regnet es in Strömen – vorzüglich an einem Abreisetag.



Ich sortiere meinen Krempel, kaufe noch Sandwiches für Mittags und checke aus.
Kurze Zugfahrt zum Flughafen. Ich stelle mich gleich am Check-In-Schalter an und werde wieder weggeschickt. Ich bin zu früh ;-)
So suche ich einen Zeitungsladen mit internationalen Zeitungen. So etwas scheint es weder in Neuseeland noch in Australien zu geben. Wenn schon nicht am Airport von Sydney wo sonst? Ich bin anscheinend doch am Ende der Welt.

Schließlich hat das Warten ein Ende, es ist Boardingtime. Was ich nicht verstehe: Warum wird das Besteigen der Maschine nicht besser organisiert, warum müssen sich 400 Passagiere durch eine Luke zwängen?

Endlich geht es los. Der Jumbo beschleunigt. Irgendwie kommt es mir so vor, als würde es länger dauern als sonst, bis er abhebt. Und auch der Steigflug ist zögerlicher. Dass wir aufs Meer hinausfliegen, fällt mir auch irgendwann auf. Schließlich lässt sich die Stimme des Captains vernehmen. Es gäbe Probleme mit einem Triebwerk. Wir könnten zwar auch mit dreien weiterfliegen, aber sicherheitshalber wolle er umkehren. Nach einer längeren Schleife würden wir wieder in Sydney landen.

Irgendwie fällt mir gar nicht ein Angst zu haben. Auch als sich das Kerosin aus den Ablassöffnungen an den Enden der Tragflächen in langem Strahl verabschiedet, wird mir nicht wirklich mulmig. Ist ja alles etwas, was schon tausendmal gut gegangen ist.

Vielmehr nervt mich die Möglichkeit, noch eine Nacht in Sydney bleiben zu müssen. Aber Sicherheit geht natürlich vor.

Kurz vor der Landung noch als kleine Entschädigung grandiose Blicke auf Sydney:

Erst bei der Landung stellt sich Herzklopfen ein, als der Jumbo nicht langsamer zu werden scheint. Viel zu früh gibt es Applaus (sonst ja nie auf Linienflügen), ich denke mir, dass ist auch schon schiefgegangen. Aber wir halten rechtzeitig an. Und hinter dem Ende der Landebahn wäre Wasser gewesen…

Als Begrüßungskomitee stehen diverse Feuerwehrfahrzeuge bereit… ähm.

Am Gate warten wir noch eine Weile. Dann kommt die erlösende Nachricht, dass es einen Ersatzflieger gibt. Wunderbar!

Wir dürfen uns in der Transit-Lounge erfrischen, kriegen 30-Dollar-Gutscheine für die Fressläden des Terminals. Als ich mich entschließe dort hin zu gehen, sind überall Schlangen, Chaos herrscht. Ich ziehe wieder ab, um später in einem kleinen Laden einen Salat und zwei Tüten Nüsse (für spätere eventuelle Notwasserungen in der Nähe unbewohnter Inseln) zu erstehen. Andere Mitreisende brüsten sich später, den gesamten Gutschein in McDoof-Müll umgesetzt zu haben *würg* … Ich liebe diese Mentalität. Es bestand zum Hamstern gar kein Grund, weil diese Langstreckenflüge ja regelrechte Mastveranstaltungen sind…
Zwischendurch erwische ich einen Internet-Terminal. Ich sehe einen Artikel im Browser über unser Schicksal. Wir haben also schon Schlagzeilen gemacht. Interessantes Detail, das uns vorenthalten worden ist: Es ist wohl etwas ins Triebwerk geflogen. Das Pilot hat es dann sofort ausgestellt. Das Starten mit nur drei Triebwerken ist dann natürlich deutlich mühsamer.
Nun kommt doch ein wenig Mulmigkeit auf bei der Überlegung, dass sowas beim Start ja sehr fatal enden kann. Der dreiviertel vollgetankte Jumbo mit 400 Leuten an Bord kommt nicht hoch… Alles schon passiert, vielleicht nicht mit so vielen Passagieren.
Danke, lieber Schutzengel!

Etwas mehr als vier Stunden nach der ursprünglichen Startzeit, heben wir mit dem Ersatzjumbo ab.
Der Flug verläuft problemlos. Essen, Trinken, Film gucken (The blind side mit Sandra Bullock – sehr nett), Dösen, Essen, Trinken, Doku gucken, Dösen, Trinken, Essen…

Singapore wird diesmal kurz und schmerzlos. Um drei Uhr nachts ist selbst dort kaum was los.

Und dann wieder der oben genannte Ablauf.

Am nächsten Morgen fliegen wir über Afganistan, sehr faszinierend: Ein fast leeres Land mit schneebedeckten Bergen und ganz wenigen Wegen und noch weniger Siedlungen.

Nach dem Iran kommt ehemalige Sowjetunion, gut zu erkennen an klar geplanten Siedlungen, Kanälen und vereinzelten Industrierauchfahnen.

Und dann das Kaspische Meer mit faszinierender Erosion drumrum.

Schließlich schweben wir gegen 10:30, gut viereinhalb Stunden zu spät über die kahlen Wälder bei Frankfurt ein. Es ist geschafft!!!

Und irgendwann werde ich auch das Schlafdefizit ausgeglichen haben ;-)

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One Comment

  • Jojo sagt:

    Lieber Thomas,
    willkommen daheim- Du machst es ja ganz schön spannend.
    Komm gut wieder an und sei nicht zu traurig, dass du wieder im Alltag landest…
    Ich freue mich auf ein langes Telefonat!
    Deine Jojo :-)